Drei Tage den selbst gestrickten Merino-Pullover getragen, und er riecht immer noch frisch? Das ist eine von vielen nützlichen Eigenschaften von Merinowolle – und die Liste ist noch länger. Doch die Wenigsten kennen die Vorzüge der Wollfaser des Merinoschafs. Wir bringen hier Licht ins Dunkle: Lerne die wichtigsten Vorteile von Merino kennen und was sie für dein Strickprojekt bedeuten.
Leicht erklärt: Was ist Merinowolle?
Die Lieblingsfaser von vielen Strickbegeisterten, Outdoor-Fans und Sporttreibenden ist und bleibt Merinowolle. Dabei handelt es sich um die Naturfaser vom Merinoschaf. Sie ist die edelste Vertreterin der Schurwolle.
Kleiner Einschub an dieser Stelle: Merinowolle ist immer Schurwolle. Aber Schurwolle ist nicht immer Merino. Was es damit auf sich hat, erklären wir im Ratgeberartikel „Wo liegt der Unterschied zwischen Schurwolle und Merinowolle?“.
Die Wolle des Merinoschafs ist außerdem deutlich feiner als die der meisten anderen Rassen. Wo ein Texelschaf ein kräftiges, robustes Haar liefert, ist das Merinovlies bestückt mit feinem, weichem und stark gekräuseltem Haar, das Wärme und Kälte regulieren kann. Sommerhitze und klirrende Kälte kann den Merinoschafen nichts anhaben – die ursprünglich in Nordafrika und Spanien zu Hause sind. Heute grasen die Herden vor allem in Australien, Neuseeland, Südafrika und Südamerika.

Wie unterscheidet sich Merino von anderen Naturfasern genau?
Wie du jetzt weißt: Merinowolle ist besonders fein und weich. Ein Grund für diese Eigenschaften ist der Faserdurchmesser der Tierhaare. Gemessen wird er in Mikron, und ein Mikron ist ein Tausendstel Millimeter. Das klingt technisch, aber einfacher ausgedrückt: Je kleiner der Durchmesser, desto feiner das Haar.
Zum Vergleich: Ein menschliches Kopfhaar bringt es auf rund 50 bis 90 Mikron, abhängig von Alter und ethnischer Herkunft. Klassische Schurwolle aus gröberen Rassen liegt oft bei 28 Mikron und darüber, während Merinowolle es mit einem Mikron-Wert zwischen 16 bis 24 deutlich unterbietet.
DROPS Merino Extra Fine ist beispielsweise superweich auf der Haut, kratzt nicht und ist für empfindliche Haut geeignet.
Die Kräuselung – die Super-Eigenschaft von Merino
Um die Superkraft der Wollfaser zu entschlüsseln, holen wir die Lupe raus, denn diese steckt in den winzigen Härchen. Sie sind wellig, fast wie winzige Sprungfedern.
Diese besondere Kräuselung der Merinohaare verhindert, dass sie flach aneinander- oder aufeinanderliegen. Stattdessen entstehen unzählige kleine Zwischenräume, die die Luft einschließen.
Genau daraus ergeben sich die wichtigsten Eigenschaften von Merinowolle: Die Luftpolster isolieren, die Federwirkung macht das Gestrick elastisch, und ein Pullover, der abends zerknautscht auf dem Stuhl landet, sieht am nächsten Morgen wieder ordentlich aus.

Die Eigenschaften von Merinowolle auf einen Blick
Feinheit und Kräuselung erklären fast alles, was diese Faser kann. Der Übersicht halber, fassen wir die wichtigsten Eigenschaften der Wollfaser in Kürze zusammen:
- Weich auf der Haut: Die feinen Härchen biegen sich bei Kontakt, statt zu stechen.
- Wärmt bei geringem Gewicht: Die Kräuselung speichert Luft, und Luft isoliert.
- Temperaturausgleichend: wärmend bei Kälte, kühlend, wenn es heiß wird.
- Feuchtigkeitsregulierend: bis zu 35 Prozent des Eigengewichts, bevor sich etwas nass anfühlt.
- Geruchsarm: Getragene Naturfasern riechen nachweislich weniger intensiv als Baumwolle oder Polyester.
- Elastisch und formstabil: Bündchen und Maschen springen zuverlässig zurück.
- Knitterarm: Eine Nacht Auslüften ersetzt oft das Bügeleisen.
- Schwer entflammbar: Das Material schmilzt nicht, sondern verkohlt und erlischt meist von selbst.
- Farbintensiv: Die Faser nimmt Farbe tief auf und hält sie über viele Wäschen.
- Biologisch abbaubar: ein nachwachsender Rohstoff, der sich im Boden zersetzt.
Warum wärmt Kleidung aus Merino so gut?
Die naheliegende Antwort wäre, dass die Wollfaser einfach dick ist. Genau das stimmt aber nicht. Ein feiner Merinopullover wiegt wenig und wärmt trotzdem zuverlässig, während ein dicker Baumwollpulli beim ersten Windstoß aufgibt.
Der Grund sind die Luftkammern zwischen den gekräuselten Härchen. Nicht das Material wärmt dich, sondern die Luft, die es festhält. Deshalb hält ein locker gestricktes Teil oft besser warm als ein dichtes, festes Gestrick aus demselben Garn.
Die Faser, die selbst Wärme produziert
Es kommt noch besser. Nimmt die Naturfaser Wasserdampf auf, gibt sie dabei Wärme ab. Fachleute sprechen bei diesem Phänomen von der sogenannten „Sorptionswärme“. Ein Kilogramm trockenes Material setzt auf diese Weise ungefähr so viel Wärme frei wie eine Heizdecke, die acht Stunden lang durchläuft.
Im Alltag spürst du es zum Beispiel, wenn du von deiner beheizten Wohnung in die feuchte Novemberluft trittst: Die Faser deiner Merinokleidung reagiert auf ihre Umgebung, nimmt die Feuchtigkeit aus der Luft und wärmt dich so angenehm. Ein Dauerheizeffekt ist das nicht, aber es erklärt, warum sich ein Wollpullover draußen so viel anders anfühlt als eine Fleecejacke.

Wie reguliert Merinowolle die Feuchtigkeit?
Hier liegt der eigentliche Unterschied zur Kunstfaser. Synthetische Funktionsshirts schieben den Schweiß an der Oberfläche entlang, wo er verdunsten soll. Solange du in Bewegung bist, klappt das gut, doch sobald du stehen bleibst, klebt die Feuchtigkeit auf dem Stoff und damit auf deiner Haut.
Die Wollfaser der Merinoschafe ist jedoch hygroskopisch und zieht den Wasserdampf ins Innere. Der Kern nimmt die Feuchtigkeit auf, während die äußere Schicht vergleichsweise trocken bleibt. Für deine Haut heißt das: Sie berührt eine trockene Oberfläche, obwohl im Faserkern längst Wasser gebunden ist. Bis zu 35 Prozent ihres Eigengewichts schafft die Faser, bevor sich das Ganze tatsächlich feucht für dich anfühlt.
Im Sommer läuft dieser spektakuläre Mechanismus übrigens rückwärts. Die gebundene Feuchtigkeit verdunstet nach außen, und Verdunstung kühlt wiederum. Ein leichtes Merinoshirt bei sommerlichen 25 Grad ist deshalb gar keine schlechte Idee.
Diese Eigenschaften hat die Faser vor allem bei Outdoor- und Sportbekleidung so beliebt gemacht. Beim Wandern, Laufen oder Skifahren kühlt dich nämlich nicht der Schweiß aus, sondern der Schweiß, der auf der Haut liegen bleibt. Wer schon einmal auf einem windigen Gipfel in einem nassen Baumwollshirt gestanden hat, weiß genau, was gemeint ist.
Geruchsneutral: Warum müffelt feuchte Merinokleidung nicht?
Der Schlüssel liegt wieder in der Feuchtigkeit. Geruch entsteht nicht durch Schweiß, sondern durch Bakterien, die ihn zersetzen, und diese Bakterien brauchen einen feuchten Film auf der Oberfläche. Den bekommen sie hier nicht, weil das Wasser tief im Faserkern gebunden wird. Dazu bindet Merinowolle auch die Geruchsmoleküle und gibt sie beim Waschen wieder frei, während sie sich hingegen in Polyester regelrecht festbeißen.
Grenzenlos ist der Effekt trotzdem nicht, denn Bakterien werden gebremst und nicht gestoppt. Nach einer Woche Dauereinsatz riecht auch der beste Merinopullover, und wer feuchte Strickware tagelang in der Sporttasche vergisst, darf sich nicht wundern. Wie du Kleidung aus Merinowolle am besten wäschst und pflegst, erklären wir die in unserem Ratgeberartikel „Merinowolle waschen“.
Kratzt Merinowolle?
Kurz gesagt: In aller Regel nicht. Die lange Antwort lohnt sich trotzdem, weil sie erklärt, warum manche Garne eben doch piksen.
Kratzen ist keine Allergie, sondern schlichte Mechanik. Ein grobes Haar ist steif, und wenn sein Ende auf die Haut trifft, biegt es sich nicht weg, sondern drückt hinein und reizt die Nervenenden. Ein feines Haar knickt dagegen einfach ein, ungefähr wie eine Feder im Vergleich zur Nadel.
Die Schmerzgrenze liegt bei einem Faserdurchmesser von etwa 30 bis 32 Mikron. Darüber wird es unangenehm, darunter nicht, und das gilt für jede Faser – für Alpaka und Mohair genauso wie für Acryl.
Warum dich Merinowolle trotzdem kratzt?
Dann liegt es an den sogenannten „Ausreißern“. Was das ist? Fachleute sprechen hierbei vom „Comfort Factor“ und meinen damit den Anteil der Härchen unterhalb der 30-Mikron-Marke. Sobald etwa fünf Prozent darüberliegen, empfinden die meisten Menschen ein Gestrick als kratzig.
Das führt zu einem überraschenden Befund: In einer Untersuchung wurde ein Gestrick aus 23,2-Mikron-Fasern als weniger kratzig wahrgenommen als eines aus feineren 21,5-Mikron-Fasern. Der Grund: Das feinere Material hatte schlicht mehr grobe Ausreißer im Bündel.
Für den Kauf von Merinowolle heißt das vor allem eines: Der Handrücken entscheidet zuverlässiger als jede Zahl auf der Banderole. Und wenn ein Strickstück anfangs piekst, hilft ein Waschgang vor dem ersten Tragen. Das entspannt die Fasern spürbar.
Halt Stopp! Hier kommt die Naturfaser an ihre Grenzen
So viel Lob verlangt nach ein paar ehrlichen Einwänden, denn auch die besten Eigenschaften haben eine Kehrseite. Um ein paar Nachteile von Merinowolle zu nennen:
- Die Faser ist nicht besonders scheuerfest, und weich heißt eben auch empfindlich gegen Reibung. Genau dort, wo der Rucksackgurt sitzt oder der Ellenbogen aufliegt, dünnt feines Gestrick mit der Zeit aus.
- Anfangs kann die Faser pillen. Heißt: Kurze Härchen arbeiten sich in den ersten Wochen an die Oberfläche und verknoten sich dort zu kleinen Faserknötchen. Das ist kein Qualitätsmangel. Eher eine „Einlaufphase“ – und ein Wollkamm oder ein Fusselrasierer kann dabei behilflich sein, die Knötchen sanft vom Strickstück zu entfernen.
- Trocknet langsamer als jede Kunstfaser.
- Anfällig für Motten, weil Merinowolle aus Keratin besteht und dieses Protein steht auf ihrem Speiseplan. Angelockt werden die Schädlinge zusätzlich von Schweiß- und Speiseresten. Unser Tipp: Strickstücke am besten frisch gewaschen und luftdicht verpackt einlagern.
- Und klar: Vegan ist die Faser natürlich nicht.
Vor allem aber verträgt die Faser weder Hitze noch grobe Mechanik. Zu heiß gewaschen, zu stark geschleudert, und aus dem Pullover wird ein Puppenpullover. Entspannter wird es allerdings mit Superwash-Wolle, bei der die Schuppenschicht chemisch geglättet wird, wobei du dafür ein Stück natürlicher Elastizität einbüßt.
Mix and match!
Für fast jede Schwäche gibt es ein Gegenmittel. Ein Anteil Polyamid macht Socken-Merinogarne strapazierfähig. Baumwolle bringt dafür Robustheit und Sommertauglichkeit ins Spiel, wie bei Drops Cotton Merino mit seinen jeweils 50 Prozent.
Wer dagegen Leichtigkeit und pure Atmungsaktivität sucht, greift beispielsweise zu DROPS Sky – eine Mischung aus Merino und Babyalpaka.
Was bedeuten die Eigenschaften von Merinowolle fürs Stricken?
Auf der Nadel zeigt sich die Wollfaser ebenfalls von ihrer besten Seite. Eigenschaften wie Elastizität und Formstabilität machen das Garn dankbar für Anfängerinnen. Denn Maschen lassen sich gut aufnehmen, ungleichmäßige Spannung fällt kaum auf und eine falsch sitzende Masche verzeiht dir die Korrektur. Eine Mütze oder eine Babydecke gelingen damit deutlich entspannter als mit rutschiger Baumwolle.
Gleichzeitig zeichnet das Garn die Maschen klar. Drops Big Merino wird aus vielen dünnen Einzelfäden gesponnen und liefert ein gleichmäßiges Maschenbild, in dem Zöpfe und Perlmuster richtig zur Geltung kommen. Wer Schalwolle mit Struktur sucht, ist hier goldrichtig.
Naturwolle mit Hightech-Performance und Wohlfühlfaktor
Gestricke mit Merinowolle wärmen, bleiben lange frisch, sind atmungsaktiv, knitterarm und temperaturregulierend – das sind wohl die besten Eigenschaften und Verkaufsargumente für die Naturfaser. Apropos: Achte beim Kauf am besten auf Qualitätsmerkmale wie mulesingfrei oder OEKO-TEX Zertifizierungen.
Stöbere durch den Algawo Onlineshop und finde das für deine Strickprojekte passende Garn. Bei Fragen rund um Zubehör, Stricknadeln und Garnauswahl steht dir unser Team gerne mit Antworten via Telefon oder E-Mail zur Seite.






