Wer sich zum ersten Mal durch das Garn- bzw. Drops-Sortiment klickt, stellt sich oft die Frage: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Schurwolle und Merinowolle? Und was ist „normale Wolle“? Unser Ratgeber erklärt, was sich hinter den Wollarten verbirgt, welche Eigenschaften sie mitbringen und welches Garn sich für welches Strickprojekt bestens eignet.
Was ist Schurwolle, Merinowolle und „normale Wolle“?
Die drei Begriffe sorgen regelmäßig beim Kauf von Wolle für Verwirrung. Wir bringen Licht ins Dunkle und erklären dir kurz und knapp, worin sich die Wollarten unterscheiden.
„Normale Wolle“ ist kein geschützter Fachbegriff. Er steht allgemein für Wolle vom Schaf, ohne weitere Herkunfts- oder Qualitätsangabe. Es kann sich dabei um Reißwolle – recycelte Wolle beispielsweise aus Schnittresten – oder auch um Gerberwolle handeln.
Schurwolle ist dagegen die Bezeichnung für die erstmals geschorene Wolle direkt vom lebenden Schaf mit höchster Qualität. Eine reine Naturfaser, die weder recycelt noch industriell aufbereitet ist. Sie kann von ganz unterschiedlichen Schafrassen stammen: Texelschaf, Suffolkschaf, Corriedale – jede Rasse liefert andere Faserlängen und -durchmesser.
Das Spannende: Merinowolle ist eine feine Form der Schurwolle und gilt als Qualitätsstandard unter den Wollgarnen. Die Wolle stammt rein vom Merinoschaf. Eine alte Rasse, ursprünglich in Nordafrika beheimatet, heute leben Herde weltweit – in Spanien, Australien, Neuseeland, Südafrika und Südamerika wie Argentinien.
Die einfache Merkformel: Merino ist immer Schurwolle, Schurwolle ist nicht immer Merino.

Schurwolle vs. Merinowolle – Eigenschaften im Vergleich
Bevor du das erste Knäuel in den Warenkorb legst, lohnt sich ein Blick auf die Eigenschaften der beiden Wollarten. Was ist wärmer? Wie fühlen sich die Garne auf der Haut an?
Merkmale von Schurwolle:
- Nicht chemisch vorbehandelt, lediglich gewaschen.
- Im Gegensatz zur Superwash-Wolle ist unbehandelte Schurwolle griffiger und formstabiler.
- Faserdurchmesser ab 26 Mikron, je nach Schafrasse auch deutlich darüber.
- Verlässliche Wärme, besonders bei dickeren Garnen. Daher eine gute Wahl zum Stricken von Norwegerpullover, z. B. mit Drops Alaska.
- Weniger elastisch, ideal zum Filzen.
- Robust und langlebig, gut geeignet für Wohntextilien.
- Günstiger als Merino.
Merkmale von Merinowolle:
- Weiches, anschmiegsames Tragegefühl direkt auf der Haut
- Kratzt kaum
- Faserdurchmesser zwischen 15 und 24 Mikron, je feiner, desto weicher
- Wärmt trotz geringerem Gewicht sehr gut
- Isolierung durch effiziente Luftspeicherung
- Temperaturregulierend: nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, ohne dass sich die Kleidung nass anfühlt
- Gestrick bleibt formstabil, auch nach vielen Wäschen
- Superwash-Wolle wie Drops Baby Merino oder Drops Big Merino sind maschinenwaschbar
Unterschiede der Wollarten auf einen Blick
| Eigenschaft | Schurwolle (klassisch) | Merinowolle |
| Faserdurchmesser | ab ~26 Mikron (je nach Rasse) | 15–24 Mikron (je nach Qualitätsstufe) |
| Faserlänge | Mittel bis lang | Mittel, fein gesponnen |
| Weichheit/Tragegefühl | Mittel bis grob | Sehr weich, hautsanft |
| Kratzen | Möglich bei sensibler Haut | Kaum bis gar nicht |
| Wärme | Gut | Sehr gut, leichtgewichtig |
| Temperaturausgleich | Eingeschränkt | Sehr gut |
| Elastizität im Gestrick | Mittel | Hoch, formstabil |
| Maschinenwaschbar | Oft nicht (ohne Superwash) | Ja (Superwash-Varianten) |
| Geeignet für | Deko, Filzen, Teppiche, dicke Pullover, Outdoor-Kleidung | Pullover, Sportkleidung, Babykleidung, Mützen, Handschule, Schal |
Kratzt Merino oder Schurwolle mehr?

Ob eine Wolle kratzt, hängt direkt vom Faserdurchmesser ab. Fasern über 28 bis 30 Mikron können von der menschlichen Haut als stechend wahrgenommen werden. Klassische Schurwolle aus gröberen Schafrassen liegt häufig in oder über diesem Bereich. Merinowolle dagegen liegt mit 15 bis 24 Mikron deutlich darunter – und kratzt deshalb in der Regel nicht.
Wer trotzdem empfindlich reagiert, kann folgendes ausprobieren:
- Das Strickstück vor dem ersten Tragen waschen: Ein schonender Waschgang entspannt die Fasern und macht sie weicher.
- Auf Mischgarne setzen: Merino-Baumwoll-Mischungen wie Drops Cotton Merino sind hautsanft und für ganzjährige Strickprojekte einsetzbar.
- Bei sehr empfindlicher Haut, dennoch ein dünnes Shirt unter einen Merinopullover ziehen, bis die Fasern sich durch Wärme und Tragen etwas gesetzt haben.
Welche Wolle eignet sich für welches Strickprojekt?
Der Vergleich von Schurwolle und Merinowolle ergibt kein eindeutiges Sieger-Verlierer-Bild. Beide haben ihren Platz im Strickkorb.
Merinowolle ist die richtige Wahl für:
- Kleidung mit Hautkontakt: Pullover, Unterwäsche, Socken, Schals wie den trendigen Sophie Scarf. Wer eine Babydecke stricken möchte, greift immer zu feiner Merinowolle – Babyhaut ist empfindlich.
- Selbstgestrickte Mützen und Accessoires: Weich am Kopf, wärmer als viele alternative Garne und dabei kein Schwitzen.
- Allwetterprojekte: Dank der temperaturausgleichenden Eigenschaften eignet sich Merino für den ganzjährigen Einsatz, vom Frühling bis in den Winter.
Klassische Schurwolle eignet sich für:
- Dekoartikel und Wohntextilien: Übertöpfe, Kissenbezüge, Körbe, Teppiche – hier zählt Robustheit, und Hautkontakt spielt keine Rolle.
- Filzprojekte, wie Filzhausschuhe. Nutze jedoch Wolle ohne Superwash-Behandlung.
- Strukturstarke Außenmuster: Die gröbere Faser betont Zöpfe und Reliefmuster besonders wirkungsvoll.
- Outdoor-Kleidung wie Jacken oder dicke Strickpullover.
Wähle das Garn, was zu deinem Vorhaben passt
Die Frage ist weniger „Schurwolle oder Merinowolle?“, sondern eher: Wofür brauchst du das Garn? Wer einen Pullover oder einen Schal strickt, der direkt an der Haut liegt, verdient ein weiches Merinogarn, das sich kuschelig anfühlt und wärmt, ohne zu schwitzen. Möchtest du dagegen Wohn-Accessoires wie Kissenhüllen stricken bzw. häkeln, dann ist die etwas rustikalere Schurwolle eine gute Wahl. Und solltest du immer noch unsicher sein: Wir beraten dich bei Algawo gerne telefonisch oder per E-Mail.




