Nahtloser Komfort: Alles, was du über das Raglanstricken wissen musst
Hast du schon einmal von der Raglan-Technik gehört? Mit dieser Methode erstellst du Pullover, Jacken oder Tops komplett nahtlos – ganz ohne mühsames Zusammennähen. Besonders für Anfänger ist Raglanstricken eine ideale Möglichkeit, maßgeschneiderte Kleidungsstücke zu kreieren. Folge unserer Raglan-Strickanleitung und zaubere dir deinen Lieblingspullover – ganz nach deinen Vorstellungen.
Was ist das Besondere am Raglan stricken?
Der Begriff „Raglan“ geht auf den britischen Lord Raglan im 19. Jahrhundert zurück, der einen Militärmantel mit einer besonderen Ärmelform trug. Diese Ärmelform, die den Ärmel direkt an den Schulterbereich ansetzt, wurde später auch auf Strickmode übertragen. Beim Raglanstricken wird das Strickstück an einem Stück gefertigt, sodass die Ärmel direkt mitangestrickt werden. Die charakteristischen Raglanlinien verlaufen schräg von den Achseln bis zum Halsausschnitt und sind das unverwechselbare Merkmal dieser Technik.
Raglan von oben – die Grundidee
Beim Raglanstricken von oben beginnst du am Halsausschnitt und strickst das Kleidungsstück in einem Stück nach unten. Durch regelmäßige Zunahmen entstehen die schrägen Raglanlinien, die Vorder-, Rückenteil und Ärmel voneinander trennen. Diese Methode ist besonders anfängerfreundlich, weil du das Strickstück jederzeit anprobieren und die Passform unterwegs anpassen kannst.
Tipp: Damit der Rücken nicht zu kurz wird, arbeiten viele Anleitungen sogenannte verkürzte Reihen (Short Rows) im Schulterbereich ein. Das sorgt dafür, dass der Halsausschnitt hinten höher sitzt als vorne.
Welche Vorteile bietet Raglan stricken?
Der größte Vorteil der Raglan-Technik ist, dass du das Strickstück ohne mühsames Zusammennähen von Vorder-, Rückenteil und Ärmeln arbeitest. Diese Methode spart Zeit und sorgt für eine ideale Passform. Da du in Runden strickst, kannst du deinen Pullover jederzeit anprobieren und unterwegs anpassen.
Kleiner Nachteil: Mit zunehmender Größe wird das Strickstück schwerer. Außerdem eignet sich Raglan weniger für sehr breite Schultern oder stark taillierte Schnitte – hier sind eingesetzte Ärmel oft vorteilhafter.
Um die Vorteile der Raglan-Technik optimal zu nutzen, brauchst du das richtige Zubehör. Hier erfährst du, was du dafür bereithalten solltest.
Strickzubehör, das für das Raglanstricken benötigt wird
Bevor du mit dem Stricken beginnst, solltest du dich gut ausstatten. Für Raglanprojekte empfiehlt sich hochwertige Drops Wolle wie Drops Baby Merino oder Drops Alpaca sowie die handgefärbten Merinogarne von Malabrigo, die besonders weich sind und sich hervorragend für diese Technik eignen.
Wichtige Stricknadeln: Am besten arbeitest du mit Rundstricknadeln. Für Pullover empfehlen sich Kabellängen ab 100 cm. Wenn du die Magic Loop-Methode nutzen möchtest, wähle ein längeres Kabel, damit du die Maschen bequem stricken kannst.
Maschenmarkierer helfen dir, die Zunahmepunkte im Blick zu behalten. Auch eine Schere und eine Wollnadel sollten griffbereit sein, um am Ende die Fäden zu vernähen.
Praktische Tipps für dein Raglanprojekt
Vor dem Stricken solltest du immer eine Maschenprobe erstellen. Jede Wolle verhält sich anders – manche ergeben ein festeres Maschenbild als andere. Für die Probe werden Maschen für 10 cm Breite aufgenommen und etwa 10 cm hoch gestrickt. Dann zählst du Maschen und Reihen und rechnest sie auf dein Strickprojekt um. Alternativ hilft ein Maschenrechner, den du online findest.

Wie viele Maschen brauchst du?
Eine feste Maschenzahl gibt es nicht – sie hängt von Wolle, Nadelstärke und deinen Körpermaßen ab. Für jeden Raglan-Pullover wird die Maschenzahl neu berechnet.
So gehst du vor:
- Oberkörperumfang messen
Miss an der breitesten Stelle oder vergleiche mit einem gut sitzenden Pullover. - Oberarmumfang messen
Damit bestimmst du die Maschen für die Ärmel. - Maschenprobe erstellen
Sie zeigt dir, wie viele Maschen pro 10 cm du strickst. - Maschen berechnen
Aus Körper- und Ärmelmaßen sowie der Maschenprobe ergibt sich die benötigte Maschenzahl. - Raglanlänge & Zunahmen bestimmen
Daraus ergibt sich dein Zunahmerhythmus.
So stellst du sicher, dass Körper und Ärmel später gut sitzen.
📐 Beispielrechnung für Größe M:Bei einer Maschenprobe von 22 Maschen auf 10 cm und einem Brustumfang von 100 cm benötigst du etwa 220 Maschen für den Körper. Davon entfallen je ca. 73 Maschen auf Vorder- und Rückenteil, je ca. 37 Maschen auf die Ärmel. Dazu kommen 8 Maschen für die vier Raglanlinien (je 2 Maschen pro Linie).
Raglan von oben: Die beliebteste Technik Schritt für Schritt erklärt
Sobald du deine Maschen angeschlagen hast, arbeitest du die vier Raglanlinien mit einem festen Zunahmerhythmus. Die genaue Aufteilung und den Ablauf der Zunahmen findest du weiter unten in der Schritt-für-Schritt-Anleitung. Wenn der Pullover groß genug für deine Schultern ist, legst du die Ärmelmaschen still und strickst den Körper weiter. Die Ärmel werden später direkt an Schultern und Achseln angestrickt.
Wenn der Pullover weit genug ist, geht es so weiter:
- Ärmelmaschen stilllegen
- Diese auf zwei Nadeln aufnehmen
- Unter den Achseln Maschen zunehmen
- Körper bis zum Bündchen fertig stricken
- Ärmel von oben nach unten stricken
- Mit Bündchen abschließen
Zum Schluss nähst du ein kleines Loch unter den Achseln zu (falls vorhanden) und vernähst alle Fäden.

Raglan Strickanleitung: So entsteht ein nahtloser Pullover
Wichtig beim Raglanstricken sind die Zunahmen. Sie sind die kleine Herausforderung dieser Technik. Statt wie bei anderen Projekten viele Maschen aufzunehmen und später abzunehmen, wird hier kontinuierlich zugenommen – das gelingt jedoch gut nach Anleitung.
Maschen aufteilen:
- Als Faustformel gilt: Maschenzahl durch drei teilen.
- Je ein Drittel bilden Vorder- und Rückseite.
- Das letzte Drittel wird für die Ärmel halbiert.
- Die vier Übergänge mit Maschenmarkierern kennzeichnen.
Raglanzunahmen stricken:
- Jede zweite Runde zunehmen – jeweils vor und nach jedem Maschenmarkierer (8 Zunahmen pro Zunahmerunde).
- Die gängigste Zunahme ist M1L (Make 1 Left): Du hebst den Querfaden zwischen zwei Maschen mit der linken Nadel von vorne auf und strickst ihn durch das hintere Maschenglied rechts ab. So entsteht keine Lücke.
- Die Runde dazwischen ohne Zunahmen glatt rechts stricken.
Schöne Ideen für die erste Strickarbeit aus Raglan
Pullover können zwei- oder mehrfarbig gearbeitet werden, mit krausen Abschnitten, Blenden oder Rippen. Auch Muster wie Fair Isle, Patent oder Norwegermuster eignen sich gut. Ebenso lassen sich Jacken, Tops mit kleinem Ärmel oder Babykleidung mit Raglan konstruieren.
Fazit: Raglan stricken ist einfacher, als du denkst
Raglan eröffnet dir viele kreative Möglichkeiten – und schon nach wenigen Runden wirst du merken, wie intuitiv die Technik ist. Mit der passenden Wolle und einer Rundstricknadel kommst du schnell voran. Besonders einsteigerfreundlich ist die Methode von oben, da du die Passform unterwegs prüfen kannst. Mit diesen Tipps bist du bestens gerüstet für dein erstes Raglanprojekt – schnapp dir deine Rundnadel und leg los!
Bildquelle Beitragsbild: © marketlan – stock.adobe.com







