Mohair Wolle Eigenschaften

Eigenschaften von Mohair-Wolle als Luxusfaser

Das macht die Luxusfaser so besonders

Der seidige Glanz von Mohair-Wolle sticht sofort ins Auge. Doch die eigentlichen Besonderheiten des Luxusgarns liegen tiefer: in der Faserstruktur, im Zusammenspiel von Wärmeleitung und Leichtigkeit sowie in der Art, wie Mohair das Strickbild verändert. Wer sich intensiver mit den Mohair-Wolle-Eigenschaften beschäftigt, erkennt schnell, dass diese Faser anderen physikalischen Gesetzmäßigkeiten folgt als Merino, Alpaka oder klassische Schurwolle. Lesen Sie im Artikel, wodurch sich die Mohair-Fasern auszeichnen, wie sie sich beim Stricken verhalten und worauf es bei der Pflege ankommt.

Was ist Mohair Wolle?

Mohair ist das Haar der Angoraziege – nicht zu verwechseln mit der Angorawolle, die vom Angorakaninchen stammt und eine deutlich feinere, aber weniger belastbare Faser bildet.

Es zählt zu den sogenannten „Speciality Hair Fibres“ – tierische Naturfaser mit besonderen physikalischen Eigenschaften.

Typische Merkmale von Mohair sind:

      • eine lange Faserstapellänge, die bei ausgewachsenen Tieren deutlich über der von Schurwolle liegt.
      • eine vergleichsweise glatte Schuppenstruktur.
      • ein ausgeprägter Seidenglanz.
      • ein Faserdurchmesser, der zwischen Merino-Wolle und Alpaka liegt.

Diese Kombination erklärt den typischen Glanz ebenso wie die hohe Strapazierfähigkeit. Ursprünglich stammt die Angoraziege aus der Region um Ankara (früher: Angora) in der Türkei. Heute werden sie vor allem in Südafrika, Texas und Australien gezüchtet – Regionen, deren Klima ein gleichmäßiges, kräftiges Faserwachstum begünstigt.

Mohair-Wolle von der Angoraziege
© blackcurrent – stock.adobe.com

Welche Eigenschaften hat Mohair Wolle?

Die Mohair-Wolle-Eigenschaften lassen sich sinnvoll in drei Bereiche gliedern: thermologische, mechanische und optische Eigenschaften. Erst ihr Zusammenspiel macht die Faser so vielseitig einsetzbar.

Thermophysiologische Eigenschaften von Mohair

Das Mohair-Garn gilt als temperaturausgleichend. Die Faser speichert Luft, ohne sich stark zu verdichten. Dadurch entsteht eine isolierende Wirkung, die angenehm warm hält, ohne ein schweres Tragegefühl oder Hitzestau zu verursachen. Gleichzeitig ist Mohair sehr atmungsaktiv: Die Fasern können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Man sagt, dass sie sogar bis zu 30 Prozent des Eigengewichts aufnehmen können, ohne sich feucht anzufühlen.

Diese Eigenschaften erklären, warum Kleidung aus Mohair sowohl im Winter als auch als Übergangsteil getragen werden kann. Zudem gilt Mohair-Garn als schwer entflammbar und neigt dazu, sich selbst zu löschen, was es von vielen synthetischen Fasern unterscheidet.

Mechanische Eigenschaften der Luxus-Wolle

Trotz ihres feinen Aussehens ist Mohair ausgesprochen robust. Verantwortlich dafür ist vor allem die lange Faser:

      • Hohe Reißfestigkeit
      • Gute Elastizität
      • Geringe Neigung zu Filzbildung
      • Stabile Rücksprungkraft im Gestrick

Diese Eigenschaften machen Mohair-Garn langlebig. Selbst leichte, lockere gestrickte Teile behalten ihre Form über lange Zeit.

Optische Eigenschaften – so schön flauschig!

Optisch prägend ist der typische Mohair-Flausch. Die glatte Faseroberfläche reflektiert Licht stärker als klassische Wollfasern, was zu dem bekannten seidigen Glanz führt. Gleichzeitig ragen feine Härchen aus dem Garn heraus und erzeugen den berühmten „Halo-Effekt“, der das Material weich und wolkig erscheinen lässt.

Knäuel mit Brushed Mohair-Wolle in unterschiedlichen Farben
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Bei Brushed Mohair wird dieser Effekt gezielt verstärkt: Durch das Aufrauen des Garns entsteht ein dichter Flor, der die Konturen bewusst auflöst und dem Strickbild eine textile Weichzeichnung verleiht. Zusätzlich nimmt die Mohair-Wolle Farbe intensiver auf. Das Ergebnis sind leuchtende, brillante Töne, die auch nach vielen Wäschen nicht verblassen. 

Kid Mohair, Superkid Mohair & Co. – Qualitätsstufen leicht erklärt

Die Begriffe Kid Mohair und Superkid Mohair beziehen sich auf die Feinheit der Faser und das Alter der Angoraziege bei der Schur. Die goldene Regel: Je jünger das Tier, desto kleiner der Faserdurchmesser und desto weicher die Faser.

Daraus ergeben sich verschiedene Qualitätsstufen:

      • Superkid Mohair: Stammt aus der ersten Schur einer Ziege (< 6 Monaten). Der Faserdurchmesser liegt circa bei 23-27 Mikron – die feinste und teuerste Qualität.
      • Kid Mohair: Von Jungziegen bis etwa 18 Monaten, mit einem Faserdurchmesser von circa 27-30 Mikron – weich und kaum kratzend wie bei Drops Kid Silk.
      • Adult Mohair: Von ausgewachsenen Ziegen mit einem Faserdurchmesser von über 30 Mikron. Robuster, oft für Decken oder Teppiche verwendet.

Die Kid-Mohair-Qualitäten zeichnen sich durch einen weichen Griff, geringere Hautirritation und einen gleichmäßigen Flor aus. Deshalb kommen sie häufig in Mohair-Seide oder Mohair-Silk zum Einsatz, wo Glanz, Stabilität und Leichtigkeit gefragt sind.

Luxus pur: Der typische Mohair-Halo

Der sogenannte Halo beschreibt den feinen Faserkranz, der sich über das Maschenbild legt. Er entsteht, weil die Mohairfasern nicht vollständig in den Zwirn eingebunden sind und einen leichten Flaum um das Gestrick bilden. Stark ausgeprägt ist der „Halo-Effekt“ bei Brushed Mohair, feinen Mohair-Seide-Mischungen sowie bei locker gesponnenen Mohair Silk-Qualitäten.

Der Halo sorgt für weiche Übergänge zwischen den Maschen – das Strickbild wirkt fast wie gemalt. Für stark strukturierte Muster wie Zöpfe oder komplexe Lace-Designs ist ein ausgeprägter Halo weniger geeignet, da Details optisch verschwimmen.

Drops Design
Kid-Silk

Tipp: Für Muster empfiehlt sich Drops-Wolle mit reduziertem Flausch.

Mohair-Wolle kratzt – was tun?

Die feinen Härchen der Mohair-Wolle können empfindliche Haut reizen. Sollte Mohair kratzen, können folgende Maßnahmen helfen:

      • Vor dem ersten Tragen waschen: Ein schonender Waschgang entspannt die Fasern und macht sie weicher.
      • Direkten Hautkontakt reduzieren: Ein dünnes Longsleeve unter dem Strickteil verhindert direkten Hautkontakt.

Kid Mohair oder Mischungen mit Seide oder Merino werden häufig besser vertragen.

Mohair-Wolle richtig pflegen

Damit all die positiven Mohair-Wolle-Eigenschaften erhalten bleiben, ist eine schonende Pflege das A und O:

      • Waschen: Handwäsche in kaltem oder lauwarmem Wasser oder im Kaltwasch-Wollprogramm ohne Schleudern.
      • Waschmittel: mildes, enzymfreies Waschmittel nutzen.
      • Trocknen: Liegend auf einem Handtuch in Form ziehen. Niemals aufhängen oder in den Trockner geben.
      • Vermeiden: Hitze, starke mechanische Belastung wie Schleudern oder Reiben, direktes Aufsprühen von Parfüm.

Pro Lana Wollwaschmittel mit Lanolin

Die glatten Fasern besitzen einen natürlichen Selbstreinigungseffekt. Häufig genügt Lüften oder ein sanftes Bürsten, um den Flor wieder aufzurichten und lose Partikel zu entfernen.

Mohair und Tierwohl: Wie nachhaltig ist die Luxusfaser?

Die Mohairgewinnung stand lange in der Kritik, insbesondere wegen unsachgemäßer Schur. Heute sorgen internationale Standards wie der Responsible Mohair Standard (RMS) für mehr Transparenz. Er regelt unter anderem artgerechte Haltung, stressarme Schur und die Rückverfolgbarkeit der Faser entlang der Lieferkette. Für Verbraucherinnen und Verbraucher schafft es eine fundierte Orientierung bei der Bewertung nachhaltiger Mohairprodukte.

Fazit: Für wen eignet sich Mohair?

Die Mohair-Eigenschaften – Temperaturausgleich, Robustheit, einzigartiger Glanz – erklären die Sonderstellung dieser Faser unter den tierischen Naturfasern, die weder Merino noch Alpaka erreichen. Mohair-Garn verbindet Leichtigkeit mit Widerstandsfähigkeit und verleiht leichten Pullovern, Tüchern und Accessoires eine wundervolle Ausstrahlung. Wer Mohair als eigenständiges Material versteht und pfleglich behandelt, erhält langlebige Strickteile, die über viele Jahre Freude machen.