Das Ultraschallbild liegt auf dem Küchentisch, und plötzlich kribbelt es in den Fingern. Nicht irgendein Geschenk soll es für das Neugeborene sein, sondern etwas Selbstgemachtes. Etwas, das noch in zwanzig Jahren aus dem Schrank gezogen wird, wenn der Nachwuchs längst Führerschein hat. Eine selbst gestrickte Babydecke klingt zunächst nach Großmutter-Romantik, ist aber ein wunderschönes Erinnerungsstück. Folge unserer kostenlosen Strickanleitung und erfahre, was du beim Stricken einer Babydecke beachten musst – von der Garnauswahl über die Maschenprobe bis zur Pflege.
Die richtige Größe für deine Babydecke wählen
Bevor die erste Masche auf der Nadel liegt, steht eine Entscheidung an: Wie groß soll die Babydecke werden? Die Antwort hängt davon ab, wofür sie später genutzt wird und wie viel Zeit zur Verfügung steht.
Kinderwagendecke, Krabbeldecke oder Schmusetuch?
Wer nur wenige Wochen bis zur Geburt hat, startet mit kleinem Schmusetuch. Mit Maßen von 50 × 50 cm ist es schnell gestrickt und wird für den Säugling zum ersten Begleiter – beim Einschlafen, im Kinderwagen, später vielleicht als kleiner Trostspender im Kindergarten.
Eine Kinderwagendecke fällt etwas größer aus. Mit 65 × 85 cm bedeckt sie das Baby komplett und schützt an kühlen Tagen. Diese Größe eignet sich auch fürs Bettchen oder die Wiege. Die klassische Babydecke misst 80 × 80 cm oder 80 × 100 cm. Sie wächst mit, vom Neugeborenen bis zum Kleinkind.
Für eine große Krabbeldecke als Spielunterlage rechnet man mit mindestens 100 × 100 cm.
Übersicht: Größen und Wollverbrauch
| Verwendung | Maße in cm | Wollverbrauch |
| Schmusetuch | 50 x 50 | 150-200 g |
| Kinderwagendecke | 65x 85 | 300-350 g |
| Babydecke (Standard) | 80 x 100 | 400-500 g |
| Große Krabbeldecke | 100 x 100 | 500-650 g |
Hinweis: Die Werte sind Richtwerte und variieren je nach Muster, Garnstärke und persönlicher Strickweise.
Tipp für mitwachsende Decken: Wer ein Muster wählt, das sich wiederholt – etwa ein Perlmuster oder ein Schachbrettmuster – kann nach ein oder zwei Jahren einfach an allen Seiten weiterstricken. Mit dem gleichen Garn fällt der Übergang kaum auf, und aus der Babydecke wird eine Kinderdecke.
Welche Wolle eignet sich für zarte Babyhaut?
Die Wahl des Garns entscheidet über Erfolg oder Frust. Babyhaut ist dünner und empfindlicher als die von Erwachsenen. Was für uns angenehm weich ist, kann beim Säugling Rötungen oder Unwohlsein auslösen. Drei Kriterien zählen bei der Garnauswahl:
- Weichheit: Das Garn darf nicht kratzen. Grobe Schurwolle ist tabu.
- Sicherheit: Keine fusseligen oder langhaarigen Fasern wie Mohair. Lose Härchen können vom Säugling eingeatmet werden. Erstickungsgefahr!
- Waschbarkeit: Die Babydecke wird oft gewaschen. Ein maschinenwaschbares Garn spart Nerven.
Das Material: Merinowolle, Baumwolle oder beides?
Merinowolle gilt als Königin unter den Babygarnen. Die feinen Fasern sind weich, temperaturausgleichend und nehmen Feuchtigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen. Im Winter wärmt Merino, im Sommer kühlt es leicht. Hochwertige Garne wie Drops Baby Merino sind zudem Superwash-behandelt. Das bedeutet, sie überstehen das Waschen in der Waschmaschine, ohne zu verfilzen oder einzulaufen.

Baumwolle ist die erste Wahl für sommerliche Strickstücke. Sie fühlt sich kühl an, ist robust und verträgt häufiges Waschen problemlos. Allerdings wärmt reine Baumwolle kaum und kann bei empfindlicher Haut etwas steif wirken. Die Mischung aus beiden vereint das Beste: Drops Cotton Merino etwa besteht zu gleichen Teilen aus Merino und Baumwolle. Das Garn ist weich, atmungsaktiv und ganzjährig einsetzbar.
Worauf beim Kauf achten? Oeko-Tex und Qualitätsmerkmale
Ein Blick auf die Banderole lohnt sich. Das Oeko-Tex Standard 100-Siegel, Klasse I, garantiert, dass das Garn auf Schadstoffe geprüft wurde und für Babyartikel unbedenklich ist. Wer Wert auf Tierwohl legt, achtet auf den Hinweis mulesing-frei. Mulesing ist ein schmerzhaftes Verfahren in der Schafzucht, das bei hochwertigen Garnherstellern wie Drops nicht praktiziert wird. Die Merinowolle von Drops stammt von freilaufenden Tieren aus Südamerika.
Drops Baby Merino vs. Drops Cotton Merino im Vergleich
| Eigenschaft | Drops Baby Merino | Drops Cotton Merino |
| Zusammensetzung | 100 % Merinowolle extrafine | 50 % Merino, 50 % Baumwolle |
| Lauflänge | 175 m / 50 g | 110 m / 50 g |
| Empfohlene Nadelstärke | 3 mm | 4 mm |
| Maschenprobe (10 × 10 cm) | 24 Maschen × 32 Reihen | 21 Maschen × 28 Reihen |
| Waschbar | Schonwäsche 40 °C | Schonwäsche 40 °C |
| Oeko-Tex Klasse I | ✓ | ✓ |
| Ideal für | Herbst/Winter, ganzjährig | Frühjahr/Sommer, Übergangszeit |
Bei Drops Baby Merino etwas fester stricken als gewohnt. Die spezielle Spinntechnik macht das Garn elastisch – bei zu lockerem Gestrick kann es nach dem Waschen ausleiern.
Stricknadeln und Zubehör: Was du wirklich brauchst
Neben dem Garn braucht es nur wenige Utensilien, um eine Babydecke zu stricken. Viele greifen instinktiv zu klassischen Jackenstricknadeln. Doch bei einer Decke – selbst einer kleinen – wird das schnell unbequem. Je mehr Reihen auf der Nadel liegen, desto schwerer wird das Gewicht auf den Handgelenken.
Eine Rundstricknadel löst das Problem elegant. Die beiden Nadelspitzen sind durch ein flexibles Seil verbunden, auf dem die Maschen ruhen. Das Gewicht verteilt sich gleichmäßig, nichts rutscht herunter, und auch eine Strickpause zwischendurch ist kein Problem.

Für eine Babydecke empfiehlt sich eine Seillänge von mindestens 80 cm, besser 100 cm. Und ja: Auch wenn die Nadel „Rundstricknadel“ heißt, lässt sich damit wunderbar in Hin- und Rückreihen stricken – also flach, nicht in der Runde.
Das Zubehör auf einen Blick:
- Rundstricknadel in passender Stärke
- Wollnadel oder Stopfnadel zum Vernähen der Fäden
- Schere
- Maßband für die Maschenprobe
- Maschenmarkierer (optional, hilfreich bei Mustern)
Die Maschenprobe: Der wichtigste Schritt vor dem Start
Wer die Maschenprobe überspringt, strickt ins Blaue. Selbst bei gleichem Garn und gleicher Nadelstärke fällt das Ergebnis je nach Strickweise unterschiedlich aus. Manche stricken fest, andere locker. Ohne Probe kann die fertige Decke deutlich kleiner oder größer werden als geplant.

So funktioniert die Maschenprobe:
- Maschen anschlagen: Mit dem gewählten Garn und der empfohlenen Nadelstärke etwa 30 Maschen aufnehmen.
- Probestück stricken: Im geplanten Muster (z. B. Perlmuster) etwa 15 bis 20 Reihen arbeiten.
- Messen: Mit dem Maßband 10 × 10 cm abmessen und die Maschen sowie Reihen in diesem Bereich zählen.
- Hochrechnen: Die gezählten Werte auf die gewünschte Deckengröße umrechnen.
Beispielrechnung für eine Babydecke mit 80 cm Breite
Die Maschenprobe ergibt 21 Maschen auf 10 cm (typisch für Drops Cotton Merino, Nadelstärke 4).
- Gewünschte Breite: 80 cm
- Rechnung: 21 Maschen × 8 = 168 Maschen
- Plus 2 Randmaschen = 170 Maschen anschlagen
Profi-Tipp: Das Probestück nach dem Stricken waschen und trocknen lassen, dann erneut messen. Superwash-Wolle entspannen sich beim ersten Waschen und können etwas größer werden. So gibt es später keine bösen Überraschungen.
Babydecke stricken: Die Schritt-für-Schritt-Anleitung
Diese kostenlose Anleitung führt durch eine klassische Babydecke im Perlmuster. Drei Vorteil macht es zum hilfreichen Anfängermuster: Es rollt nicht auf, beide Seiten sehen gut aus – es gibt keine „schöne“ und „unschöne“ Seite –, und die Struktur fühlt sich herrlich kuschelig an.
Schritt 1: Maschen anschlagen
Basierend auf der Maschenprobe die berechnete Anzahl aufnehmen. Für unser Beispiel (80 cm Breite mit Drops Cotton Merino) sind das 170 Maschen. Den Maschenanschlag nicht zu fest ziehen, sonst wird der untere Rand unelastisch.
Schritt 2: Den Rand arbeiten (Kettrand)
Für saubere Kanten empfiehlt sich ein Kettrand: Die erste Masche jeder Reihe wie zum Linksstricken abheben, ohne sie zu stricken. Der Faden liegt dabei vor der Arbeit. Die letzte jeder Reihe rechts stricken. Diese Technik erzeugt eine gleichmäßige, leicht gedrehte Kante, die später schön aussieht.
Schritt 3: Das Perlmuster stricken
Reihe 1 (Hinreihe): Randmasche abheben, dann im Wechsel eine Masche rechts, eine links bis zur vorletzten – die letzte dann wieder rechts stricken.
Reihe 2 (Rückreihe): Randmasche abheben, dann die Maschen versetzt stricken: Auf jede rechte Masche der Vorreihe kommt jetzt eine linke und umgekehrt. Die Letzte wieder rechts.
Diese beiden Reihen fortlaufend wiederholen, bis die gewünschte Länge erreicht ist. So erkennst du, ob du richtig liegst: Auf der Nadel sollten rechte und linke Maschen im Wechsel erscheinen. Rechte erkennst du am glatten V, linke haben eine kleine Querrippe.
Schritt 4: Locker abketten
Ist die Decke lang genug, werden die Maschen abgekettet. Dabei wird immer die zuerst gestrickte Masche über die nächste gehoben. Wichtig: Locker abketten! Ein zu fester Abschluss zieht den oberen Rand zusammen, und die Decke beult sich. Bei Bedarf eine größere Nadel verwenden.
Schritt 5: Fäden vernähen
Mit einer Wollnadel die losen Fadenenden auf der Rückseite mindestens 5 cm einweben, damit sich nichts löst. Ein kleiner Knoten am Ende schadet nicht, sollte aber flach bleiben.
Schritt 6: Spannen und in Form bringen
In Topform bringen: Die fertige Decke auf eine Unterlage legen (Schaumstoffmatte, Handtuch auf dem Teppich), mit Wasser aus einer Sprühflasche g anfeuchten, sanft auf die Maße ziehen und mit Stecknadeln entlang der Kanten fixieren. Vollständig trocknen lassen, aber nicht in der Sonne und nicht auf der Heizung. Nach dem Spannen liegen alle Maschen gleichmäßig, und die gestrickte Babydecke fällt schön flach.
So verhinderst du eingerollte Ränder

Das Einrollen ist der häufigste Frust bei selbstgestrickten Babydecken. Schuld ist das Muster: Glatt rechts – also Hinreihe rechts, Rückreihe links – rollt sich physikalisch bedingt immer an den Rändern ein. Das ist kein Fehler, sondern liegt an der Spannung im Gestrick. Drei Lösungen, die funktionieren:
- Flaches Muster wählen: Perlmuster, kraus rechts oder Rippenmuster rollen nicht.
- Kraus-rechts-Rand mitarbeiten: Am Anfang und Ende jeder Reihe werden 6 bis 8 Maschen immer rechts gestrickt – in jeder Reihe, auch in den Rückreihen. Das Gleiche gilt für die ersten und letzten 10 bis 16 Reihen der Decke.
- Nachträglich umhäkeln: Feste Maschen oder Krebsmaschen stabilisieren die Kanten, sehen dekorativ aus und ermöglichen später ein Anstricken, falls die Babydecke wachsen soll.
Häufige Fehler beim Babydecke stricken – und wie du sie vermeidest
Selbst erfahrene Strickerinnen tappen manchmal in dieselben Fallen. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Wissen lassen sich die meisten Fehler von Anfang an vermeiden.
| Fehler | Was passiert? | Lösung |
| Keine Maschenprobe | Decke wird zu groß oder zu klein | Immer vorher ein Probestück stricken |
| Falsches Garn | Kratzt, fusselt, ist nicht waschbar | Auf Oeko-Tex Klasse I und superwash achten |
| Glatt rechts ohne Rand | Decke rollt sich ein | Strukturmuster oder kraus-rechts-Rand |
| Zu fest abketten | Oberer Rand zieht sich zusammen | Locker abketten, ggf. größere Nadel |
| Verschiedene Partien | Farbunterschiede sichtbar | Genug Knäuel der gleichen Partie kaufen |
| Zu locker bei Merino | Decke leiert nach Wäsche | Etwas fester stricken, Maschenprobe beachten |
Selbstgestrickte Decken richtig pflegen und waschen
Eine Babydecke wird häufiger gewaschen als andere Strickstücke. Milch, Brei, Sabberspuren gehören zum Alltag mit Säuglingen. Umso wichtiger, dass das Garn pflegeleicht ist.
Die wichtigsten Pflegehinweise:
- Schonwaschgang bei maximal 40 °C – Handwäsche ist nicht nötig.
- Kein Weichspüler. Er macht Wollfasern zu weich und kann das Gestrick ausleiern lassen.
- Nicht einweichen, sondern direkt waschen.
- Liegend trocknen. Nasse Wolle nicht aufhängen, sie verzieht sich. Stattdessen flach auf ein Handtuch legen.
- Regelmäßig lüften. Zwischen den Wäschen reicht oft Auslüften an der frischen Luft, um Gerüche zu entfernen.
- Bei mehrfarbigen Babydecken vorher eine Waschprobe mit Garnresten machen, da manche Farben beim ersten Waschen leicht „ausbluten“ können.
Im Babydecke stricken liegt ein Zauber – viel Vergnügen!
Eine Babydecke selbst zu stricken, ist kein Hexenwerk, aber auch kein Nachmittagsprojekt. Geübte Strickerinnen brauchen für Standardgröße zwei bis drei volle Tage, Anfängerinnen entsprechend länger. Doch das Ergebnis lohnt sich: ein Geschenk, das von Vorfreude erzählt und das Kind oft Jahre begleitet. Im Kinderwagen, im Bettchen oder später als Kuscheldecke auf dem Sofa.
Wer als Anfängerin startet, wählt ein einfaches Muster wie das Perlmuster und ein fehlerverzeihend weiches Garn. Der Rest ist Übung und ein bisschen Geduld. Und selbst wenn mal eine Masche daneben geht, fällt es bei einer gestrickten Decke kaum auf. Was bleibt, ist das Gefühl, etwas mit den eigenen Händen geschaffen zu haben. Und wer weiß, vielleicht wird die erste Babydecke nicht die letzte sein.


